{"id":21286,"date":"2022-04-06T14:34:06","date_gmt":"2022-04-06T06:34:06","guid":{"rendered":"https:\/\/ljdevice.com.tw\/?p=21286\/"},"modified":"2022-04-06T14:34:06","modified_gmt":"2022-04-06T06:34:06","slug":"chinas-rolle-auf-den-industriemetallmaerkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ljdevice.com.tw\/de\/chinas-rolle-auf-den-industriemetallmaerkten\/","title":{"rendered":"Chinas Rolle auf den Industriemetallm\u00e4rkten"},"content":{"rendered":"<p>102. Jahrgang, 2022\u00a0<span class=\"story-meta-divider\">\u00b7<\/span>\u00a0Heft 2\u00a0<span class=\"story-meta-divider\">\u00b7<\/span>\u00a0S.\u00a0151\u2013152\u00a0<span class=\"story-meta-divider\">\u00b7<\/span>\u00a0JEL:\u00a0O13, O53<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-21287\" src=\"https:\/\/ljdevice.com.tw\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Wellenreuther-Abb-1-300x174.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"174\" \/><!--more--><\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Die Rohstoffm\u00e4rkte waren in den vergangenen zwei Jahren durch Produktionsausf\u00e4lle, unterbrochene Lieferketten, hohe Frachtraten und drastisch gestiegene Rohstoffpreise gekennzeichnet. Bei der Analyse der Preistreiber f\u00e4llt auf, dass bestimmte Akteure eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Rohstoffpreise spielten. W\u00e4hrend auf den Roh\u00f6lm\u00e4rkten die Organisation der erd\u00f6lexportierenden L\u00e4nder (OPEC+) durch Ver\u00e4nderungen der F\u00f6rdermenge die Preisentwicklung mitbestimmte, wurden die Preise f\u00fcr Industrierohstoffe ma\u00dfgeblich durch die Marktmacht Chinas gepr\u00e4gt. So wurden die internationalen Lieferketten insbesondere durch Lockdown-Ma\u00dfnahmen und Hafenschlie\u00dfungen in China nachhaltig gest\u00f6rt, was zu anhaltenden Versorgungsengp\u00e4ssen auf den M\u00e4rkten f\u00fcr Industriemetalle f\u00fchrte. Die Industriemetallnachfrage wurde durch die rasante Erholung der chinesischen Wirtschaft schon fr\u00fchzeitig gesteigert. So stiegen bereits im Fr\u00fchjahr 2020 die Preise f\u00fcr Industriemetalle stark an, obwohl sich die westlichen Industriestaaten noch in einer Rezession befanden. Der HWWI-Index f\u00fcr Nichteisenmetalle, der die Preisentwicklung von Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink und Zinn abbildet, nahm seit Mai 2020 kontinuierlich zu und \u00fcberschritt im Herbst 2021 sein Zehnjahreshoch (vgl. Abbildung 1).<\/p>\n<div id=\"_idContainer005\">\n<h5 class=\"story-table-figure-title fixed-width\"><span class=\"story-table-figure-title-item\">Abbildung 1<\/span><br \/>\n<span class=\"story-table-figure-title-item\">Entwicklung des HWWI-Index f\u00fcr Nichteisenmetalle<\/span><\/h5>\n<p class=\"story-table-figure-title-note story-table-figure-title fixed-width story-table-figure-note\">Index 2020=100<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<div id=\"_idContainer006\" class=\"story-box-image fixed-width\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/files\/journal-issues\/wirtschaftsdienst\/10.1007\/s10273-022-3119-2\/Wellenreuther-Abb-1.png\" alt=\"Entwicklung des HWWI-Index f\u00fcr Nichteisenmetalle\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/files\/journal-issues\/wirtschaftsdienst\/10.1007\/s10273-022-3119-2\/Schlaglicht_Wellenreuther-web-resources\/image\/Wellenreuther_Abb-1.png\" alt=\"\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"_idContainer007\">\n<p class=\"story-table-figure-text-beneath\">Quelle: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"story-paragraph\">Die staatlichen Eingriffe Chinas als Reaktion auf die Herausforderungen der Coronakrise hatten in den vergangenen zwei Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Rohstoffm\u00e4rkte und stellten die Weltwirtschaft vor gro\u00dfe Herausforderungen. Die Auswirkungen der Markteingriffe waren umso gravierender, da China in den vergangenen 20 Jahren zum weltweit gr\u00f6\u00dften Verbraucher und Produzenten von Industriemetallen aufgestiegen ist und heute zu den wichtigsten Akteuren der Weltwirtschaft z\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung und der Investitionen in die Infrastruktur hat sich China zum weltweit gr\u00f6\u00dften Verbraucher von Industriemetallen entwickelt und damit gro\u00dfe Volkswirtschaften wie die USA und die Europ\u00e4ische Union weit hinter sich gelassen. Heute entfallen auf den chinesischen Verbrauch \u00fcber 45 % der weltweiten Nachfrage nach Blei, Zinn und Zink und \u00fcber 50 % der weltweiten Nachfrage nach Aluminium, Nickel und Kupfer.<\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Im Gegensatz zu anderen Industriel\u00e4ndern deckt China einen gro\u00dfen Teil seines Metallbedarfs aus heimischer Produktion. China verf\u00fcgt zwar nur \u00fcber etwa 3 % der weltweit bekannten Bauxit-, Kupfer- und Nickelreserven und \u00fcber etwa 20 % der bekannten Blei-, Zinn- und Zinkreserven, f\u00f6rdert diese Erze aber deutlich schneller als andere L\u00e4nder. Infolgedessen entfallen auf China 20 % bis 47 % der weltweiten Produktion von Bauxit-, Blei-, Zinn- und Zinkerzen. Eine noch bedeutendere Rolle spielt China hingegen als Produzent von veredelten Metallen. Mehr als die H\u00e4lfte des gesamten Aluminiums wird in China hergestellt. Die chinesische Produktion von Kupfer, Zinn, Zink und Blei macht \u00fcber 40 % des weltweiten Angebots aus, die von Nickel 35 % (vgl. Abbildung 2) (Sch\u00fcler-Zhou et al., 2020; World Bank Group, 2021).<\/p>\n<div id=\"_idContainer008\">\n<h5 class=\"story-table-figure-title fixed-width\"><span class=\"story-table-figure-title-item\">Abbildung 2<\/span><br \/>\n<span class=\"story-table-figure-title-item\">Chinas Anteil an der weltweiten Metallproduktion und am weltweiten Metallverbrauch<\/span><\/h5>\n<\/div>\n<div>\n<div id=\"_idContainer009\" class=\"story-box-image fixed-width\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/files\/journal-issues\/wirtschaftsdienst\/10.1007\/s10273-022-3119-2\/Wellenreuther-Abb-2.png\" alt=\"Chinas Anteil an der weltweiten Metallproduktion und am weltweiten Metallverbrauch\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/files\/journal-issues\/wirtschaftsdienst\/10.1007\/s10273-022-3119-2\/Schlaglicht_Wellenreuther-web-resources\/image\/Wellenreuther_Abb-2.png\" alt=\"\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"_idContainer010\">\n<p class=\"story-table-figure-text-beneath\">Quelle: World Bank Group, 2021.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"story-paragraph\">Aufgrund der enormen Bedeutung Chinas auf den M\u00e4rkten f\u00fcr Industriemetalle wirken sich Ver\u00e4nderungen der chinesischen Nachfrage oder des chinesischen Angebots unmittelbar auf die Weltmarktpreise aus. Dieser Risikofaktor wird dadurch versch\u00e4rft, dass China nicht immer vorhersehbar auf Herausforderungen reagiert und sich nicht scheut, in den Markt einzugreifen.<\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Anhand des drastischen Anstiegs der Rohstoffpreise in den vergangenen sechs Monaten l\u00e4sst sich exemplarisch aufzeigen, welch weitreichende Auswirkungen Markteingriffe der chinesischen Regierung auf die globalen Rohstoffpreise haben k\u00f6nnen. Aufgrund einer schweren D\u00fcrre im Fr\u00fchjahr 2021 in einigen Regionen Chinas fiel die Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken aus, was zu einer Verknappung der chinesischen Energieversorgung f\u00fchrte. Infolgedessen stieg die Nachfrage nach Substituten wie Kohle und Erdgas. Da Chinas Kohleangebot durch den Handelsstreit mit Australien, einem der wichtigsten Kohlelieferanten Chinas, bereits eingeschr\u00e4nkt war, f\u00fchrte die erh\u00f6hte Nachfrage zu einem enormen Preisanstieg auf den Weltm\u00e4rkten f\u00fcr Energierohstoffe wie Kohle, Erdgas und Roh\u00f6l. Aufgrund der staatlich gedeckelten Strompreise waren die chinesischen Kohlekraftwerke jedoch nicht in der Lage, zu den gestiegenen Kohlepreisen zu produzieren, wodurch eine weitere Stromerzeugungsquelle eingeschr\u00e4nkt wurde. Das gesunkene Stromangebot traf auf eine erh\u00f6hte chinesische Stromnachfrage, die unter anderem durch den wirtschaftlichen Aufschwung getrieben wurde. Die Folge war eine Stromknappheit in China, die sich wiederum auf die M\u00e4rkte f\u00fcr Industrierohstoffe auswirkte. Um Strom zu sparen, wurde die energieintensive Metallproduktion in China, z. B. die Aluminiumproduktion, heruntergefahren. Infolgedessen stieg der Weltmarktpreis f\u00fcr Aluminium drastisch an. Ebenfalls als Reaktion auf die Energieknappheit wurde die chinesische Stahlproduktion in der letzten Jahresh\u00e4lfte 2021 deutlich zur\u00fcckgefahren, was sich in sinkenden Eisenerzpreisen niederschlug.<\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Die von China angestrebte Dekarbonisierung der Wirtschaft zur Bek\u00e4mpfung der Klimakrise wird China in den n\u00e4chsten Jahren vor gro\u00dfe Herausforderungen stellen. China ist der weltweit gr\u00f6\u00dfte Emittent von CO<sub class=\"story-text-sub\">2<\/sub>-Gasen und hat sich das Ziel gesetzt, bis 2060 klimaneutral zu werden. Staatliche Ma\u00dfnahmen und Markteingriffe mit dem Ziel, die Emissionen des Landes zu reduzieren, wirken sich bereits heute auf die Preise vieler Rohstoffe aus. Die Kohle\u00adindustrie in China ist f\u00fcr einen erheblichen Teil der CO<sub class=\"story-text-sub\">2<\/sub>-Emissionen des Landes verantwortlich und deckt rund 60 % des chinesischen Energieverbrauchs. Auf dem Weg zur Klimaneutralit\u00e4t investiert China daher verst\u00e4rkt in erneuerbare Energien, was die Nachfrage auf den Rohstoffm\u00e4rkten langfristig ver\u00e4ndern wird. Zu den im Rahmen der Energiewende besonders gefragten Rohstoffen geh\u00f6ren z. B. Kupfer, Kobalt und Nickel. Auch die chinesische Stahl- und Aluminiumproduktion ist in hohem Ma\u00dfe emissionsintensiv. Um CO<sub class=\"story-text-sub\">2<\/sub>-Emissionen zu reduzieren, wurde die chinesische Stahl- und Aluminiumproduktion 2021 wiederholt eingeschr\u00e4nkt. Da auf China fast 60 % der Rohstahlproduktion und mehr als die H\u00e4lfte der gesamten Aluminiumproduktion entfallen, haben sich die Ma\u00dfnahmen direkt auf die Preise ausgewirkt. W\u00e4hrend die Preise f\u00fcr Aluminium und Stahl anstiegen, fielen die Preise f\u00fcr Eisenerz.<\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Das Eingreifen der chinesischen Regierung zur Bek\u00e4mpfung der neuen hochansteckenden Omikron-Virusvariante wird in den kommenden Monaten erneut gro\u00dfe Auswirkungen auf die Rohstoffm\u00e4rkte haben. China verfolgt eine No-Covid-Strategie, was bedeutet, dass China bereits auf einige wenige Neuinfektionen mit extremer Abschottung reagiert. W\u00e4hrend Chinas Abschottungsstrategie bei der ersten Corona-Welle effektiv funktionierte und China schneller als andere L\u00e4nder zum normalen Leben zur\u00fcckkehren konnte, besteht die Gefahr, dass die No-Covid-Strategie zur Abwehr der weitaus ansteckenderen Omikron-Variante zu permanenten Abschottungsma\u00dfnahmen f\u00fchren wird. Abriegelungen ganzer St\u00e4dte und strenge Ausgangsbeschr\u00e4nkungen in China w\u00fcrden erneut zu Produktionsausf\u00e4llen und Unterbrechungen der internationalen Lieferketten f\u00fchren. Die sich bereits abzeichnende Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums wird sich ebenfalls auf den Rohstoffm\u00e4rkten bemerkbar machen und in den Preisen niederschlagen.<\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre haben einmal mehr deutlich gemacht, dass die Abh\u00e4ngigkeit der Weltwirtschaft von China auf den M\u00e4rkten f\u00fcr Industrierohstoffe zu einem Risikofaktor geworden ist. Aufgrund der enormen Marktmacht, die China auf den Rohstoffm\u00e4rkten besitzt, wirken sich die politischen Entscheidungen Chinas direkt auf die Weltmarktpreise aus und beeinflussen letztlich die gesamte Weltwirtschaft. Dar\u00fcber hinaus hat die Reaktion auf die Herausforderungen durch die Coronapandemie deutlich gemacht, dass China auch zu drastischen staatlichen Ma\u00dfnahmen greifen wird, um seine Ziele zu erreichen. Die starke Abh\u00e4ngigkeit von China als gr\u00f6\u00dftem Lieferanten und Verbraucher von Industriemetallen wird auch in Zukunft eine Herausforderung f\u00fcr die Weltwirtschaft darstellen.<\/p>\n<p class=\"story-paragraph\">Quelle:<a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/inhalt\/jahr\/2022\/heft\/2\/beitrag\/chinas-rolle-auf-den-industriemetallmaerkten.html\">Chinas Rolle auf den Industriemetallm\u00e4rkten &#8211; Wirtschaftsdienst<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>102. 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